Ich war Interviewpartner beim großartigen Markus Hövener und seinem Online Marketing Podcast. Viele spannende Fragen rund um das Thema Storytelling. Hört doch mal rein!

Oder lest rein! So geht das Gespräch los. Das komplette Transkript findet ihr hier.

Das Podcast Interview:

Moin und herzlich willkommen bei Search Camp, dem Online-Marketing Podcast. Mein Name ist Markus Hövener und unser Thema heute ist Storytelling. Wer mich kennt, weiß, ich bin nicht so für die ganzen Hype-Themen zu haben, aber Storytelling hält sich ganz gut und ich glaube auch, dass es grundsätzlich ein sehr sinnvolles Thema ist. Deswegen habe ich heute einen Gast, der sich strategischer Storyteller nennt. Es geht um Fragen wie: Brauche ich Storytelling? Warum sollte ich das nutzen? Und wie kann ich es eigentlich nutzen?

Ich habe Thomas Pyczak in der Leitung. Der hat ein Buch geschrieben, das heißt „Tell Me – Wie Sie mit Storytelling überzeugen“. Ich habe es gelesen, fand es super und danke an den Rheinberg Verlag, dass sie den Kontakt hergestellt haben. Thomas, stell dich doch mal kurz vor.

Thomas Pyczak: Hallo Markus, ich bin genau wie du sagst strategisches Storyteller und Autor. Ich mache beides, ich schreibe Romane und Erzählungen. Und dann hat Erzählen auch eine Business-Seite, die nenne ich strategisches Storytelling. Mein Hintergrund: Ich habe lange als Journalist gearbeitet, als Chefredakteur, nachher als Geschäftsführer in der Medienbranche. So habe einiges an Erfahrung sammeln dürfen, was Storytelling angeht. Ich  finde es total spannend, das zu vermitteln – als Trainer, als Coach oder als Autor.

Ich kann alle Geschichten dieser Welt auf 7 Mustervorlagen zurückführen

Markus Hövener: Dann lass uns doch mal kurz das Wort mit Leben füllen. Storytelling. Erklär uns mal, worum geht es dabei?

Thomas Pyczak: Die kürzeste Antwort und auch die Beste lautet, Storytelling ist das Erzählen von Geschichten. Punkt! Pause! Jetzt kommt die nächste Frage, was ist eine Geschichte? Auch das würde ich so einfach wie möglich definieren und sagen, eine Geschichte heiß,t Ereignisse in eine Struktur bringen. Aristoteles hat vor mehr als 2000 Jahren gesagt, die Geschichte oder ein Drama ist etwas mit Anfang Mitte und Ende. Und das steht auch alles notwendig da, also ich kann das nicht einfach tauschen, sondern das bezieht sich alles notwendig aufeinander.

Heute könnte man ein bisschen moderner sagen, etwas fängt an, dann passiert was und dann hört es auf. Oder: Ein Held bekommt eine Mission und muss sie gegen Widerstände erfüllen. Entweder es gelingt ihm, nehmen wir Herr der Ringe oder so, die Welt ist gerettet oder es geht schief, wie in einer Shakespeare Tragödie. Das ist die Idee hinter der Geschichte.

Markus Hövener: Das werden wir jetzt mit Leben füllen müssen. Wenn man sich dein Buch anguckt, merkt man, es gibt eigentlich 3 große Bereiche, die heißen Connect, Copy und Create. Connect für warum und wie wirken Geschichten? Copy für die Baupläne erfolgreicher Geschichten und Create für, so entstehen gute Geschichten in der Praxis. Fangen wir mal mit Connect an. Spannend fand ich, du behauptest, das Gehirn mag Mustervorlagen, wir können gar nicht jede Geschichte speichern, sondern wir sortieren das in so prototypische Geschichten ein wie das Monster überwinden, wie bei James Bond, die Suche wie bei Herr der Ringe oder Tragödie wie bei Goethes Faust. Warum sollte ich sowas nutzen wie Mustervorlagen? Welchen Vorteil habe ich dadurch?

Menschen fühlen sich in eine Geschichte hinein, wenn etwas versucht wird und erst einmal nicht funktioniert

Thomas Pyczak: Zu diesen 7 Mustervorlagen: Ich finde, das ist ein ganz toller Ansatz. Er kommt von dem britischen Journalisten Christopher Booker, er hat sich sein Leben lang mit Storytelling befasst. Booker sagt, ich kann alle Geschichten dieser Welt auf 7 Grundgeschichten zurückführen.

Das haben noch ganz viele andere versucht. Einige sind auf 3 Basis-Geschichten gekommen, andere haben 30 gefunden. Ich würde sagen, es ist relativ egal, auf welche Zahl man kommt, solange diese Zahl handlich ist. 7 Vorlagen finde ich ganz handlich. Du hast ja schon ein paar genannt, die Suche oder das Monster überwinden, sowas wie James Bond oder der Weiße Hai, so Filme, die dieses Schema erfüllen. Ich glaube, das ist hilfreich, diese Muster zu kennen, zu erkennen, nach welchem Schema läuft das?

Es gibt zum Beispiel einen kleinen Unterschied zwischen einer Komödie, also mit einem Happy End, und einer Tragödie, kein Happy End. Der Aufbau ist anders. Wie erzähle ich das?

Gehirnforscher haben sich im Grunde parallel zu Christopher Booker in den letzten Jahren und Jahrzehnten intensiv mit Storys befasst. Sie sagen, es scheint wirklich so zu sein, dass in unserem Gehirn eine Reihe Mustervorlagen gespeichert ist, aus Effizienzgründen.

Und wenn du mir eine Geschichte erzählst, folgt sie vielleicht diesem Schema das Monster überwinden. Du sagst, meine Kunden haben ein Riesenproblem, das ist im Grunde das Monster, das im Raum steht. Und ich habe dann Mögliche versucht, um ihnen zu helfen, es hat immer nicht funktioniert. Denn das gehört zu der Geschichte, dass es nicht funktioniert. Doch dann ist es mir gelungen. Jetzt sind wir total stolz, weil mein Kunde ein viel besseres Geschäft macht oder viel glücklicher ist und ich freue mich auch, dass ich ihm helfen konnte.

Von 2 Stunden Film 100 Minuten Stress

Menschen reagieren sehr stark darauf, weil wie gesagt unser Gehirn erkennt das Schema  quasi in einem Automatik-Modus, wenn du das erzählst. Wenn du zum Beispiel in dieser Geschichte jetzt weglässt, dass du Probleme hattest, wenn du einfach sagst, mein Kunde ist gekommen und hat gesagt, Markus, ich habe folgendes Problem und du, ist so easy und ich habe es Ihnen gelöst, dann ist das keine Geschichte.

Dann sagen alle Leute, Markus ist ein Held. Aber eigentlich wollen Sie das nicht sagen, sondern eher: Markus, dieser Aufschneider. Es entsteht wenig Sympathie und wenig Mitgefühl, weil Menschen können sich, das haben wieder die Psychologen erkannt, Menschen fühlen sich in eine Geschichte hinein, wenn etwas versucht wird und erst einmal nicht funktioniert. Das ist gut. So sind Geschichten aufgebaut.

Also wenn ich mir zum Beispiel einen Film angucke, der 2 Stunden dauert, dann habe ich ungefähr 100 Minuten Stress. Erst zum Schluss wird alles aufgelöst. Dieser Stress ist eigentlich das, was Menschen verbindet, was Resonanz erzeugt und so eine Nähe. So, dass man sich so reinfühlen kann in die Geschichte. Deswegen ist es sinnvoll, diese Strukturen zu kennen und damit auch zu arbeiten. Weil das für Menschen was, sozusagen für das menschliche Gehirn was Vertrautes ist.

Fortsetzung im Podcast oder im Transkript!