Sieben Story-Todsünden. Achtung: So kommen Ihre Geschichten garantiert nicht beim Publikum an. Oder so: Sieben Tipps, wie Sie mit Storys wirklich überzeugen.

STORY-TODSÜNDE 1: KUGELSICHER

Wer eine Geschichte erzählt dabei eine kugelsichere Weste trägt, wird kein Publikum überzeugen oder bewegen. Das Erfolgsgeheimnis von Helden – und Erzählern – ist ihre Verletzlichkeit. Gehen Sie die Galerie der Helden durch: Archilles war an seiner Ferse verwundbar. Siegfried an der Schulter. Supermann wird von Kryptonit in die Knie gezwungen. Schauen Sie sich Donald Trump an – seine kugelsichere Weste schützt ihn auch vor Sympathie (nicht nur die).

Tipp: Kugelsichere Weste ausziehen. Nur wer sich verletzlich macht, kann andere Menschen für sich gewinnen.

STORY-TODSÜNDE 2: ERFUNDEN

Schriftsteller erfinden. Filmemacher erfinden. Dramatiker erfinden. Aber wenn sie erfinden, dann schöpfen sie aus einem reichen Erfahrungsschatz und schreiben über Dinge, die sie bewegen, die sie kennen. So wirken ihre Erfindungen echt. Wer nicht hauptberuflich Storys erfindet, der sollte sich lieber an seine Erfahrung halten, an das Erlebte. Alles Andere wird schnell durchschaut und wirkt peinlich.

Tipp: Geschichten erzählen, die das Leben schrieb. Von Kunden, von Kollegen, von sich selbst. Sie wirken – gut erzählt – ansteckend.

STORY-TODSÜNDE 3: UNSTRUKTURIERT

Anfang. Mitte. Ende. So beschreibt der griechische Philosoph Aristoteles den Ablauf einer Geschichte. Exposition, Komplikation, Auflösung. Auch so lässt es sich einfach sagen. Künstlern gelingt es, mit dieser einfachen Struktur zu spielen. Alle anderen können bei Experimenten mit der Form nicht gewinnen.

Tipp: Geschichten haben eine klare Grundform. Behalten Sie diese bei. Ihre Zuhörer oder Leser werden es Ihnen danken. Nutzen Sie zur Orientierung doch die sieben Basic Plots.

STORY-TODSÜNDE 4: HELDENFREI

Warum nicht einfach eine schöne Case Study? Was uns so gut gelungen ist, das will doch jeder lesen! Schön faktenschwer und eindrucksvoll beispielhaft. Sind Sie sich da sicher? Heldenfreie Geschichten sind leider keine Geschichten. Held verstehe ich im Sinne von Hauptfigur. Solche Geschichten werden auch gleich wieder vergessen.

Tipp: Erst ein Held (und ein Gegenspieler bzw. Gegenkräfte) ziehen das Publikum in ihren Bann. Studien, egal welcher Art, oder seelenlose Präsentationen ermüden nur.

STORY-TODSÜNDE 5: FACHSPRACHLICH

Kompetenz braucht Komplexität und Fachsprache. Manchen scheinen das immer noch zu glauben und verwenden Jargon, um sich den Anstrich von Expertentum zu geben. Es ist die große Nummer sicher, die Verbindung zum Publikum zu verlieren, selbst wenn es nur aus Experten besteht. Niemand braucht verschwurbelte Formulierungen außerhalb von Fachaufsätzen.

Tipp: Erzählen Sie in der Sprache des Publikums, einfach und klar. Ein Sechste-Klasse-Deutsch ist allemal besser als ein Zwölf-Semester-Betriebswirtschaft-Deutsch.

STORY-TODSÜNDE 6: AUSUFERND

Je länger, desto besser – bei Storytellern führt das zum garantierten Fiasko. Fidel Castro konnte erfolgreich stundenlange Reden schwingen. Thomas Mann konnte Meisterwerke mit weit über tausend Seiten schreiben. Beeindruckend, aber als Vorbilder vielleicht nicht ideal. Barack Obama konnte alles in 15 Minuten sagen. Hemingway konnte eine Geschichte in sechs Worten erzählen: „For sale: baby shoes, never worn.“ So geht es im Business.

Tipp: Kurz, knapp, auf den Punkt schreiben und reden. Viele TED-Talks zeigen, wie das geht – 18 Minuten sind das Limit.

STORY-TODSÜNDE 7: BILDLOS

Bilder wirken stark. Auch sprachliche Bilder. „Was gezeigt werden kann, braucht nicht gesagt zu werden“, sagt der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein. So ist es. Zeigen ist viel effizienter – es bleibt – im besten Sinnes des Wortes kleben. Kennedy sagt: „… bis zum Ende des Jahrzehnts einen Mann auf den Mond bringen und sicher wieder zurück zur Erde.“ Eine Geschichte in einem Satz. Ein Bild, das jeder vor sich sieht, wenn er die Worte hört.

Tipp: Zeigen anstatt zu sagen. Erzählen anstatt zu beschreiben. Bilder anstatt leerer Sprache.