Einen ganz eigenen Weg beim Marken-Storytelling geht Apple. Herausragend die Story über das Thema Home Office: amüsant, berührend und so zeitgemäß und wahr, dass jeder sich wiedererkannt, der das „The whole working from home thing“ kennt.

Das Video erzählt die Story von vier Underdogs, die einen Auftrag mit enger Deadline bekommen. Das Team ist zu Beginn nicht wirklich handlungsfähig und stolpert seinen Weg zum vorzeigbaren Resultat.

Das Ganze ist so rasant und komisch erzählt, dass die sieben Minuten im Flug vergehen und du den Kurzfilm gleich noch einmal sehen willst. Oder ihn sofort sharen.

Wo ist der Unterschied zu Werbung? Apples Marken-Storytelling greift einfach ein Lebensgefühl auf und – ja – es kommen auch ein paar Apple Tools vor, ebenso aber Software von Adobe. Viel wichtiger: Es ist ein kleiner Film über uns alle, über unseren Kampf, Home und Office so zu verbinden, dass beides funktioniert. Und über all die Niederlagen und Erfolge.

Und dann ist da die Geschichte hinter der Geschichte, die so nebenbei miterzählt wird: Die Apple Welt funktioniert: Ob iPad, Notebook oder iPhone, ob Fremdsoftware oder Apple Programme, egal. Kinder maulen, wie soll ich scannen, iPad im Wohnzimmer oder in der Küche. Egal. Kümmere dich nicht um Technik, mit Apple bist du Safe.

Warum Apples Story so gut funktioniert? Weil sie klassische Muster des Storytelling perfekt nutzt. Und weil sie nicht platt das Evangelium des Home Office singt. Im Gegenteil! Insofern ist das Video eine großartige Schule, vielleicht sogar eine Kopiervorlage für Marken-Storytelling.

Das sind die sieben Techniken des Marken-Storytelling, die Apple anwendet:

  1. Underdogs: Deine Helden sind sympathisch, doch keine Siegertypen. Es sind Typen, denen man wünscht, dass sie es hinkriegen. Typen, bei denen man mitfiebert.
  2. Tage: Die Story geht im Tagesrhythmus voran. Die Struktur ist klar, wir wissen immer, wo wir sind. Auch wenn das den Helden nicht immer ganz klar ist.
  3. Ticktack: Die Uhr läuft und die Zeit ist knapp. So entsteht automatisch Spannung.
  4. Ziel: Ambitioniert. Die Rahmenbedingungen sind von Anfang an ambitioniert und werden in der Projektwoche noch einmal verschärft.
  5. Leben: Die Kamera (meist Webcam) ist mittendrin im stressigen Home Office – bis zur Unterhose, die bildfüllend erscheint und alle erschreckt, obwohl sie doch selbst keinem so anderen Dress Code folgen.
  6. Humor: Die gestressten Helden sind großartig überzeichnete Stereotypen in Umgebungen, die wir alle kennen. Mutter, fürsorglich. Kinder, hyperaktiv. Katze, seltsam. Hund, seltsamer. Kollegen: seltsamst.
  7. Eisberg-Prinzip: Apple Story folgt dem Prinzip, erzähl nur das Nötigste, fang mittendrin an und höre kurz vor dem Schluss auf. Sie folgt damit genau Hemingways Eisberg-Prinzip, das meiste ungesagt zu lassen. Die Zuschauer erzählen sich den Rest sowieso selbst.

PLUS Moral: Der kleine Film hat eine Moral und es ist nicht das Loblied auf Working from Home. Da sind die Kinder, die Siri bitten, ihnen eine Gutenachtgeschichte zu erzählen, weil der Vater völlig geschafft auf dem Boden liegt und schläft. Das rührt und zeigt überdeutlich die Kehrseite der Invasion der Arbeit in unser Zuhause.

Work is home and home is work. Doch Glück und Zufriedenheit sehen anders aus. Wie schön, dass Apple kein plattes Loblied auf das Home Office singt.

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag über Storytelling im Marketing.