Die Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten praktischen Regeln für den Umgang mit Zahlen im Storytelling und ihre Verwendung in Charts, Reden, Konzepten oder Strategieunterlagen.

Dabei geht es nicht um Data Storytelling, sondern vielmehr darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, in welchem Kontext Zahlen entscheidend sind für den Erfolg einer Story. Wie sie dazu beitragen, Sachverhalte einfach und klar darzustellen, doch zugleich emotional.

Hier kommen meine 7 Tipps für den Umgang mit Zahlen im Storytelling:

1. Aufzählung: Die Klarheit der Zahl Drei

Die 3 ist die Zahl der Aufzählungen. Mit ihr verbindet sich automatisch eine kognitive Leichtigkeit. Weil wir die Zahl so gut kennen. Zum Beispiel aus dem Märchen: die drei Wünsche, die der Flaschengeist gewährt. Oder aus der Musik: der Dreiklang als Grundform von Harmonien. Oder aus genialen Vorträgen: Ich möchte Ihnen heute 3 Geschichten aus meinem Leben erzählen, beginnt Steve Jobs seine Stanford-Rede. Die 3 funktioniert einfach, sie spricht uns intuitiv an, auch wenn ich noch keine psychologische oder philosophische Erklärung dafür gefunden habe. Nur meine Erfahrung aus 30 Jahren Storytelling. Daher bei Aufzählungen möglichst nicht zwei oder vier Punkte, sondern eben drei. Für längere Listen empfehle ich – wieder reine Erfahrungswerte – die Zahlen 5, 7, 10 und 12.

2. Drama: Die Magie der Zahl Drei

Im Kontext von Storys ist die 3 die Strukturzahl. Gute Geschichten bewegen sich in drei Schritten. Der griechische Philosoph Aristoteles nannte sie Anfang, Mitte, Ende. Etwas klarer scheint mir: Ausgangssituation, Komplikation, Auflösung. Eine Figur tritt auf, wird in ihrer Welt vorgestellt. Sie will gegen Widerstände ein Ziel erreichen. Sie erreicht schließlich dieses Ziel oder auch nicht. Diese Struktur ist so elementar, dass die 3 damit zur wichtigsten Zahl unter den Zahlen im Storytelling wird.

3. Plusminus: Werte und Emotionen

Plus 1, minus 1. Zwei zentrale Zahlen im Storytelling. Bei jeder Story geht es im Kern um Werte, zum Beispiel um Erfolg oder Misserfolg. Plus 1 wäre Erfolg, Minus 1 wäre Misserfolg, 0 wäre der Bereich des Weder-Noch. Eine gute Story bewegt sich wie eine Achterbahn auf ein Ziel zu. Dabei geht es emotional immer auf und ab: plus 1, minus 1. Diese Bewegung hält uns in der Story, weil wir mitfiebern.

4. Die Magie nicht vergessen: 9 3/4

Die Züge in die Zauberwelt fahren bei Harry Potter auf Gleis 9 3/4. Nicht auf Gleis 9, nicht auf Gleis 10. Man muss erst einmal durch eine Wand laufen, um zu diesem Gleis zu kommen. 9 3/4 ist für mich eine der stärksten Metaphern für das, was Storytelling leistet: Wir gehen durch Wände. Die Zahl ist Mahnung und Ansporn: Nicht zu glatt sein, dann bleibt die Magie auf der Strecke. Und damit die Überzeugungskraft und die Chance, Menschen zu bewegen.

5. Plus 1: Die Überraschungszahl

Der Apple-Gründer Steve Jobs verwendete bei seinen Produkt-Keynote gern die Formulierung One more thing. Eins noch. Plus eins. Ein kluger Weg, Pointen zu setzen und Überraschungen mit System einzuführen. Ist diese Plus-1-Struktur erst einmal bekannt, entsteht sofort eine Erwartungshaltung. Und damit auch ein höheres Streben.  So hat Steve Jobs der 1 einen ganz eigenen Rang unter den Zahlen im Storytelling gegeben.

6. Komplizierte Zahlen: Die Kunst des Rundens

Lange Zahlen oder Zahlen mit Kommastellen sind manchmal notwendig. Weil eine Zahl eben genau den Punkt markiert. PI, das haben wir alle in der Schule gelernt, ist 3,14. Basta. Häufig wenden wir diese Genauigkeit jedoch auf Zahlen an, die eine Rundung vertragen würden. Im Kontext einer Geschichte geben Zahlen meist ein Gefühl für Größenordnungen. Und die sollten so sein, dass wir es dem Leser oder Zuhörer einfach machen. Aus 47 Prozent wird so: knapp 50 Prozent oder knapp die Hälfte. Das ist eingängiger.

7. Modelle und Zahlen: Die Struktur entscheidet

Modelle entwickeln ihren Zauber aus einer Grundeinfachheit und Zugänglichkeit. Ein Modell, das auf den ersten Blick kompliziert wirkt, schreckt ab. Einfachheit geht oft einher mit Symmetrie. Das Modell der Archetypen zum Beispiel wird durch die Symmetrie ansprechend. Es sind 12 Archetypen in 4 Segmenten. Sie lassen sich einfach und klar in einem Zirkel darstellen. Das Modell des Growth Mindset ist auf den ersten Blick ganz anders und doch ist es ebenfalls geprägt von Symmetrie – und Einfachheit: eine Gegenüberstellung in 5 Kategorien, also 10 Punkte, die relevant sind. Modelle, davon bin ich überzeugt, erzählen ihre Story besser, wenn sie sich an geraden Zahlen orientieren.

Plus 1: Das Gespür hat Vorrang

Natürlich gibt es von all diesen Regeln Ausnahmen. Die Verwendung von Zahlen im Storytelling, da geht es häufig um das richtige Gespür für das, was eine Geschichte benötigt. Und manchmal ist das eben etwas, das gegen alle guten Regeln verstößt. Und vielleicht selbst wieder zur Regel wird, wie das Plus 1 von Steve Jobs.