Ein überzeugender Vortrag verbindet drei Storys, um Menschen in Bewegung zu bringen: The Story of Self, The Story of Us, The Story of Now. Diese Technik lehrt Professor Marshall Ganz an der Harvard Universität. Mein Beitrag zeigt, wie Sie die die Technik für Ihre eigenen Vorträge, Reden und Präsentationen nutzen. Als Beispiel für diese Technik nutze ich Barack Obamas Rede „Fired up, ready to go“.

Obama hat diese Methode perfektioniert. Deswegen nenne ich sie auch Obama-Methode. Sie ließe sich aber auch TED-Methode nennen, weil viele TED-Vorträge nach diesem Muster funktionieren.

Die Grundidee der „Public Narrative“ (so nennt Ganz diese Technik) besteht darin, dass Sie in einem Vortrag, in dem Sie Menschen für sich und ihre Ideen gewinnen wollen, über die konkreten Inhalte hinaus auch Werte und Überzeugungen teilen. Nicht indem Sie sagen: Ich glaube an Gerechtigkeit. Das kann ja jeder behaupten. Nein, indem Sie Storytelling nutzen. Mit Ihrer Story transportieren Sie Ihre Werte. Weil die Story wahrhaftig ist und emotional. Das wäre The Story of Self.

Self, Us, Now

Sie erzählen aber nicht nur eine Story von sich, sondern auch eine Story der Gemeinschaft, zu der Sie sprechen und an die Sie andocken wollen. So entsteht eine Verbindung. Das wäre The Story of Us.

Schließlich erzählen Sie eine dritte Geschichte: The Story of Now. Sie sorgt dafür, dass ein ganz konkretes Ziel genannt wird, für das es sich lohnt, sich in diesem Moment einzusetzen. Dieses Ziel ist natürlich eng mit den ersten beiden Storys verbunden. Hier die Technik, erklärt an einem Beispiel – Barack Obamas Rede „Fired up, ready to go!“.

Überzeugender Vortrag: Die drei Storys

    1. The story of Self

      Diese Story erzählt davon, warum Sie das tun, was Sie tun? Warum dieses Thema, dieser Job, diese Aufgabe, diese Mission? Was war ihr Call? Jeder hat so eine Geschichte zu erzählen. Sie erzählt von Entscheidungen auf dem Lebensweg, die uns dorthin gebracht haben, wo wir jetzt stehen und einen Vortrag halten. Erzählen Sie von den Wurzeln, von den Wendepunkten, von ihren Werten. Im Kern geht es um einen oder mehrere Schlüsselmomente Ihres Lebens. Sie sind der Ausgangspunkt für einen überzeugenden Vortrag.

      Beispiel Barack Obama – Fired up, ready to go:

      Beispiel: In „Fired up, ready to go“ erzählt Barack Obama die Story dieses Claims. Er hat bereits 30 Minuten über die Gesundheitsreform gesprochen. Dann sagt er: Ich erzähle euch jetzt mal, woher der Claim kommt. Wissen ja nicht alle.

      Dann erzählt er eine wunderbare Geschichte nach dem Muster der Heldenreise (Challenge, Change, Outcome) die am Ende jeden im Saal mitreißt. Er sagt, ich war unbekannt, ich hatte Wein getrunken, ich brauchte jede erdenkliche Unterstützung, um die Wahl zu gewinnen. So sagte ich zu, dass ich nach Greenwood, South Carolina, kommen würde.

      Obama nimmt die Zuhörer, ein Saal voller Studenten, mit auf die Reise nach Greenwood. Ein schlechter Tag, eine weite Reise, Regen, nur 20 Menschen im Auditorium, vor dem er sprechen soll – und schließlich diese Frau, die immer schreit: „Fired up?“ Und die Leute antworten, indem sie „Fired up!“ wiederholen. Dann schreit sie: „Ready to go?“ Und alle schreien „Ready to go!“ Immer wieder.

      Obama ist irritiert. Die Frau ist ein Ratsmitglied, findet er später heraus und sie schreit immer diese Worte, bei Fußballspielen oder Ratssitzungen. In diesem Moment stiehlt sie ihm die Show. Er steht in dem fast leeren Saal und die Leute schreien nur „Fired up. Ready to go.“

      Auf einmal, sagt er, spürt er wie er selbst sich angezündet fühlt, angezündet und bereit loszulegen. Und er stimmt ein in den Gesang. Für den Rest des Tages fragt er jeden seiner Leute „Are you fired up?“ Bin ich, Boss. „Are you ready to go?“

    2. The story of Us

      Diese Story erzählt davon, welche Bestimmung, Ziele oder Visionen eine Community oder eine Organisation hat. Sie ist üblicher Weise nach dem gleichen Muster gestrickt wie die Story of You. Eine kleine Heldenreise, eine Herausforderung, den die Community oder die Organisation gemeistert hat – oder meistern wird. Diese Story lädt jeden Zuhörer ein, Teil des Ganzen zu sein. Mitzumachen. Bereit zu sein für die Story of Now.

      Beispiel Barack Obama – Fired up, ready to go:

      Obama wechselt in seiner Rede die Perspektive. Er ist nicht mehr länger der Erzähler seiner Reise. Er wendet sich an das Auditorium, nutzt die Formulierung: „Here is the thing, Maryland“. Und dann erklärt er die Moral seiner Geschichte, den Grund, warum diese Geschichte alle angeht, die in diesem Raum sitzen.

      Es folgen die berühmten Sätze: „So it goes to show you – and this is so important for young people – it goes to show you, one voice can change a room. And if a voice can change a room, it can change a city. And if it can change a city, it can change a state. If it can change a state, it can change a nation. If it can change a nation, it can change the world.“ Obamas persönliche Story wird zur Predigt, die alle mitreißt.

      3. The story of Now

      Die Story of Now handelt von einer Herausforderung, vor der die Community oder Organisation steht. Wir brauchen mehr Lehrer, ein neues Produkte, eine globale Strategie. Wir brauchen all das nicht in fünf Jahren, sondern so schnell wie möglich. Die Zeit läuft. Wir müssen handeln. Los geht’s!

      Die Story of Now ist dringlich und sie ist tief verwurzelt in den Werten, die Sie in Ihrer Story und der Story der Gemeinschaft transportiert haben. Erst mit der Story of Now wird ein überzeugender Vortrag zu einem Vortrag, der die Menschen in Bewegung bringt. Die Story of Now enthält den Call to Action.

      Beispiel Barack Obama – Fired up, ready to go:

      Obamas Story of Now spricht er in ein tobendes Publikum. Er sagt:“We will change the world with your voice. We need the voices of young people to transform this nation, to meet up to the meaning of its creed. I need your voice. So I want to know — are you fired up?“ Die Leute schreien: „Fired up!“ Obama ruft: „Ready to go?“ Die Zuhörer antworten im Chor: „Ready to go!“ Drei Wiederholungen. Mit den Worten „Let’s go change the world“ verlässt Obama die Bühne.

      Fazit: Ein überzeugender Vortrag braucht diese drei Storys, die mit einander verlinkt sind. Wird auch nur eine von Ihnen ausgelassen, etwa die Story of Self, weil man ja lieber sachlich bleibt, fehlt genau die Story, die das Vertrauen in den Redner möglich macht. Fehlt die Story of Us, dann gibt es keine Verbindung. Die Zuhörer denken, spannender Typ, aber was hat das mit mir zu tun?

      Fehlt die Story of Now, gibt es keine Richtung, es war einfach nur ein Vortrag, der auf eine nette Art Nähe stiftete. Keine Schlussfolgerungen. Keine Aktionen. Der Redner erwartet nichts von mir. Wer mit diesem Konzept arbeitet, darf folglich auf keine der drei Storys verzichten.

      Überzeugender Vortrag: Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag über die Sparkline als Struktur großartiger Vorträge.