Zitate von Ludwig Wittgenstein sind oft faszinierend und schillernd. Sie sind wie Splitter, die die Gedankenwelt des österreichischen Philosophen im Kern enthalten. Und die uns erlauben, eine Sache in einem neuen Licht zu sehen. In einem Licht, das uns eine Perspektive auf unsere Zeit zugunsten einer neuen Zeit ermöglicht.

Was Wittgenstein in Sachen Storytelling auszeichnet: Er beherrscht alle Register der Sprache, von kühler Logik bis hin zu fast dichterischen Metaphern. Er bewegt sich sprachlich immer an der Schnittstelle von Fakten und Emotionen.

Eins der 10 Zitate von Ludwig Wittgenstein möchte ich gerne aus der Nähe betrachten, weil es zeigt, wie der Philosoph mit Sprache fasziniert. In Paragraf 309 der Philosophischen Untersuchungen des österreichischen Philosophen heißt es: „Was ist dein Ziel in der Philosophie? – Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“ Es ist einer der berühmtesten Sätze der Philosophie des 20. Jahrhunderts.

„Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen“

Dieser Satz nutzt eine Metapher, um das Programm des Philosophen deutlich zu machen: die Fliege im Fliegenglas. Ein Fliegenglas, das ist eine Glaskugel zum Hinstellen. Um Fliegen zu fangen, füllt man eine Flüssigkeit ein, diese anlockt. Durch ein Loch an der Unterseite fliegen die Fliegen hinein ins Fliegenglas und finden nicht mehr hinaus, weil sie immer wieder gegen die für sie unsichtbaren Wände prallen. Sie wollen zum Licht, das sie anzieht.

Natürlich weiß Wittgenstein genau, was passiert, wenn man Metaphern wie diese veröffentlicht: Sie regen unweigerlich dazu an, die Entsprechungen zu suchen. Was meint er? Wie kann ich mir das vorstellen? Die Fliegen sind wir, oder? Und das Glas, das sind vielleicht verführerische Gedankengebäude, die unseren Geist einfangen und einsperren? Und schon beginnen wir, in seine Gedankenwelt tiefer einzutauchen, weil wir eben in Wittgensteins Fliegenglas geraten sind.

Der Philosoph meint es allerdings wie ein Therapeut gut mit uns und unserem Denken, sagt er. Starke Metaphern wie diese sind Eingangstüren in Wittgensteins Gedankenwelt, sie erzählen eine Geschichte, ohne sie zu erzählen und bei dem Versuch, das Fehlende zu ergänzen werden wir vielleicht selbst zu Philosophen und gebrauchen unseren Verstand am Ende so, dass wir das Fliegenglas hinter uns lassen.

Die Idee dieser 10 Zitate von Ludwig Wittgenstein besteht darin, hinein zu schnuppern in dessen Philosophie. Genaugenommnen sind es also 10 Appetizer.

10 Zitate von Ludwig Wittgenstein

1. Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel der Sprache.

2. Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

3. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

4. Ist ein falscher Gedanke nur einmal kühn und klar ausgedrückt, so ist damit schon viel gewonnen.

5. Die Idee sitzt gleichsam als Brille auf unsrer Nase, und was wir ansehen, sehen wir durch sie. Wir kommen gar nicht auf den Gedanken, sie abzunehmen.

6. Was ich lehren will, ist: Von einem nicht offenkundigen Unsinn zu einem offenkundigen übergehen.

7. Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen läßt, läßt sich klar aussprechen.

8. Was ist dein Ziel in der Philosophie? – Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.

9. Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.

10. Nur sich nicht in Teilprobleme verstricken, sondern immer dort hinaus flüchten, wo man freien Überblick über das ganze eine große Problem hat, wenn auch dieser Überblick noch unklar ist.