Warum ist das Artensterben so gefährlich? Naturforscher David Attenborough erklärt es in einem Interview ganz einfach in zwei Minuten. Dazu nutzt er die Story vom Seeotter.

Attenborough sagt, die Menschen fragen bei jeder Art, für deren Erhaltung man sich einsetzt: Ist es wirklich nötig? Warum sollen wir ausgerechnet dieses Tier schützen und nicht ein anderes? Die Antwort darauf ist zugleich kompliziert und doch ganz einfach.

Jedes Tier ist wichtig, denn alle sind verbunden im komplexen System der Natur. Und wir wissen nie, welche Folgen das Sterben einer Art hat. So lässt sich nicht vorhersagen, wie weit der Schaden wirklich geht. Aber Storytelling kann helfen, ein Gefühl dafür zu bekommen.

Ein kleine Geschichte, die jeder versteht

Der Pazifik-Seeotter wurde im frühen 20. Jahrhundert wegen seines schönen Fells gejagt. Auf einmal merkte man, dass sie immer seltener wurden, kurz vor der Ausrottung standen. Zur gleichen Zeit klagten die Fischer, dass die Fischbestände zurückgingen.

Gab es einen Zusammenhang? Auf Anhieb war er nicht zu erkennen.

Bei näherem Hinsehen schon. Seeotter jagen Seeigel. Seeigel fressen Seealgen. Nun gab es immer mehr Seeigel, weil die Seeotter verschwunden waren. Die Seeigel fraßen die Algenwälder. Diese Algenwälder waren aber der Lebensraum für junge Fische.

Seeotter – Seeigel – Algen – Fische: Das ist die Kette. Das Verschwinden der Seeotter bewirkte also über zwei Ecken das Zurückgehen der Fischbestände.

Ein Beispiel gibt ein Gefühl für das große Bild

Der Seeotter mag uns nicht so wichtig erschienen sein, sagt Attenborough. Der Fisch aber schon, weil wir uns von ihm ernähren. Eine gesunde Natur, erklärt er, sei absolut notwendig für eine gesunde menschliche Gesellschaft.

Die Story vom Seeotter zeigt die Komplexität der Natur. Sie gibt ein Beispiel für unvorhersehbare Ursachen und Wirkungen vor dem Hintergrund des massiven Artensterbens. Sie zeigt uns, wie sehr wir im Umgang mit der Natur im gefährlichen Blindflugmodus operieren. Und ist ein Plädoyer dafür, jetzt etwas zu tun.