Sie glauben, Sie können schreiben, Business Storys erzählen? Dann lesen Sie mal Sol Stein und seine Storytelling-Gebote! Steins Klassiker Über das Schreiben wird Sie vielleicht etwas ernüchtern. Aber er liefert die Anleitung für erfolgreiche Romane und Sachbücher, darüber hinaus für Reden oder Präsentationen, die von Anfang an mitreißen sollen.

Stein ist Verleger sowie Autor von Romanen und Sachbüchern – und das seit vielen Jahrzehnten. Über das Schreiben erschien 1995 und hat nichts von seiner Aktualität verloren. Wer Storytelling erlernen will, kommt über Stein und seine amerikanisch zugespitzte Weltsicht bestimmt hinaus, aber nicht darüber hinaus.

Was mir an dem Buch sehr gut gefällt, dass es explizit zwischen Belletristik und Sachbüchern unterscheidet und viele Tipps für Autoren in beiden Bereichen gibt. All das ist zusammengefasst in 10 Geboten. Hier sind sie in gekürzter Fassung.

Die 10 Storytelling-Gebote

  1. Figuren

    Du sollst keine Figuren in ein vorhandenes Handlungsgerüst einstreuen. Am Anfang war die Figur und sie brachte die Handlung hervor.

  2. Helden

    Helden brauchen Fehler und Schurken Tugenden. So werden sie zum Leben erweckt.

  3. Action

    Deine Figuren sollen stehlen, töten, Vater und Mutter nicht ehren. Die Leser gieren nach solchen Dingen und gähnen, wenn deine Figuren demütig und friedfertig sind.

  4. Konkret

    Du sollst keine Abstraktionen säen, denn wie ein Liebender fühlt sich der Leser zum Besonderen hingezogen.

  5. Lautstärke

    Du sollst nicht murmeln, flüstern, grollen. Die Wörter selbst und nicht ihre Beschreibungen sind das Transportmittel der Lautstärke.

  6. Spannung

    Du sollst deinen Leser mit Unruhe, Angst und nervöser Spannung anstecken. Die Zustände, die ihm im Leben verhasst sind, bereiten ihm in Geschichten Freude.

  7. Sprache

    Die Sprache soll präzise und klar sein. Alles Geringere gehört in die Welt der Krämer und Gelehrten.

  8. Pausen

    Du sollst nicht am siebten Tag ruhen. Ein Autor ist immer tätig.

  9. Dialoge

    Du sollst nicht vergessen, dass der Dialog eine fremde Sprache ist. Eine Sprache, in der das Indirekte eine wichtigere Rolle spielt als das Direkte.

  10. Emotionen

    Du sollst deine Gefühle nicht am Leser auslassen. Deine Aufgabe ist es, die Gefühle des Lesers zu wecken. Darin liegt die wahre Kunst des Erzählens.

Nicht alle der 10 Storytelling-Gebote lassen sich direkt Business-Anwendungen übertragen, etwa auf eine Strategie-Präsentation. Die meisten jedoch schon. Wer es wagt, die Fakten mit Storys zu verbinden, kommt nicht umhin, über Handelnde nachzudenken, über Emotionen, Spannung und Sprache. Und wird feststellen, wie nützlich diese Storytelling-Gebote von Sol Stein sind.

Das Buch gibt es hier.