Gutes Framing, böses Framing – so beeinflusst die Einordnung von Fakten in Bedeutungskontexte unsere Entscheidungen. Und so schützen Sie sich. Ganz besonders vor Frames, also erzählerischen Rahmen, die wir gar nicht als Rahmen wahrnehmen, sondern bereits als selbstverständlich betrachten.
Geschichten, die unsere Welt gestalten. Das FrameWorks Institute hebt ganz besonders drei Frames hervor, die auf einseitig gefährliche Art unsere Haltung bestimmen. Sie machen uns blind dafür, die Welt anders zu sehen und lähmen unser Handeln.
Böses Framing: Die Big 3
Individualismus
- Die Logik: Wie unser Leben gelingt, ist bestimmt durch unsere Entscheidungen
- Lässt Ungleichheit als normal erscheinen
- Erschwert, den Einfluss und die Rolle von Systemen zu erkennen
Othering
- Die Logik: Wir versus die Anderen
- Verbreitet psychologische Distanz
- Macht gezielte Unterstützung zum Problem
Fatalismus
- Die Logik: Die Probleme sind zu groß und zu komplex, um sie zu lösen
- Verbreitet die Vorstellung, dass sich nichts ändern wird und Handeln sinnlos ist
- Erschwert es, konkrete Lösungen zu sehen
Hier geht es nicht darum, dieses Framing jetzt Medien oder Parteien zuzuschreiben. Das ist ein anderes Thema. Wichtig ist erst einmal, dafür sensibel zu werden.
Gutes Framing: The Week
Es ist viel darüber geschrieben worden, wie wir sachliche statt manipulativen Rahmen erzeugen, die uns helfen, die Welt zu deuten. Aber es geht um viel mehr. Von „bösem Framing“ wegzukommen, ist eine ganz eigene Anstrengung. Dafür aber gibt es ein hervorragendes Beispiel, das genau diesen Prozess in Gang setzt: The Week.
Der Autor des Bestsellers Reinventing Organisations, Frederic Laloux, und seine Frau Helene haben mit The Week eine Bewegung gestartet, die Individualismus, Othering und Fatalismus aufbrechen will. Ihr Thema: nichts Geringeres als die Klimakrise abzuwenden. Ihr Motto: „3 days. Together. To make sense of the defining crisis of our time.“
So läuft The Week ab: In Gruppen sehen wir drei einstündige Videos in drei aufeinander folgenden Wochen und sprechen danach darüber. Das Gespräch läuft nach dem Schema: einer spricht, die anderen hören zu. Keine Fragen. Keine Einwände. Das Ziel ist, lähmende Frames hinter sich zu lassen und ins Handeln zu kommen, Schritt für Schritt.
The Week ist meiner Meinung nach ein hervorragendes Beispiel für „gutes Framing“, das dem „bösen Framing“ der Big 3 entgegenwirkt.
Ein Experiment: Wildes Tier oder Virus?
Forscher der Stanford-Universität wollten wissen, wie die Wortwahl und das damit verbundene Framing die Einstellung der Menschen ändert.
Es gab zwei verschiedene Texte zum Thema Verbrechen und danach fragte man 1500 Studenten, was zu tun sei.
Der erste Bericht über Kriminalität in der Stadt Addison bezeichnete Kriminalität als „wildes Tier, das die Stadt heimsucht“ und „in den Stadtvierteln lauert“. Nach der Lektüre schlugen 75 % der Studenten Lösungen vor, die Strafverfolgung oder Bestrafung beinhalteten, etwa den Bau weiterer Gefängnisse. Nur 25 % schlugen soziale Reformen vor, etwa die Verbesserung des Bildungswesens oder die Bereitstellung einer besseren Gesundheitsversorgung.
Der zweite Bericht war exakt gleich, nur dass er Kriminalität als „Virus, das die Stadt infiziert“ beschrieb. Nach der Lektüre dieser Version sprachen sich nur 56 % für mehr Strafverfolgung aus, während 44 % soziale Reformen vorschlugen.
Das Framing beeinflusste massiv, wie die Studenten das Problem sahen und wie sie es zu lösen vorschlugen. Kaum einer bemerkte es.
Beide Berichte enthielten dieselben „schockierenden“ Statistiken über die Kriminalitätsrate in Addison. Als die Forscher die Studenten baten, anzugeben, welche Textstellen ihre Entscheidungen am meisten beeinflusst hatten, kreiste die überwiegende Mehrheit die Zahlen ein. Nur 3 % nahmen das Framing als Framing wahr.
Eine Idee: Den Blick auf Fakten UND Framing richten
Framing beeinflusst, wie wir denken, fühlen, handeln. Selbstverständlich ist es wichtig, die Fakten zu checken – keine Frage. Doch nicht um den Preis, darüber das Framing aus den Augen zu verlieren und sich zu fragen, was es bewirkt. Und ob man die zugrunde liegende Weltsicht teilt.
Alles Storytelling ist in gewisser Weise Framing. Doch es ist mehr als das: Wenn wir Geschichten erzählen, dann geben wir ein Gefühl für die Fakten und ordnet diese in einen Kontext ein. Idealer Weise ist dieser Kontext mit uns selbst verknüpft, damit die Story geerdet bleibt und die Perspektive als Perspektive deutlich wird.