Dieses Sprachspiel von Paul Watzlawick demonstriert die Macht der richtigen Frage, die klug den Inhalts- und Beziehungsaspekt verknüpft. So zeigt der berühmte Sprachforscher, wie untrennbar diese beiden Seiten einer Aussage verbunden sind.
Das Sprachspiel ist eine Denksportaufgabe. Wer sie löst, hat Watzlawicks Ansatz verstanden und damit auch alle anderen Modelle, die auf seiner Idee der Trennung von Inhalts- und Beziehungsaspekt im Rahmen menschlicher Kommunikation basieren. Etwa Schulz von Thun.
Es ist darüber hinaus auch kluges Storytelling, denn die Lösung des Rätsels ist alles andere als einfach. Ich habe sie nicht gefunden, verbrachte aber eine Weile mit der Aufgabe und habe dabei spielerisch ein Verhältnis zu Watzlawicks Modell entwickelt.
Der Gefangene: Das Sprachspiel von Paul Watzlawick
Das Szenario
Wir sind in einem Gefängnis. Eine Person befindet sich in einem Raum mit zwei Wachen. Der Raum hat zwei Türen. Eine von ihnen ist verschlossen, die andere ist nicht zugesperrt. Das weiß der Gefangene. Außerdem weiß er, dass:
- Wächter A immer die Wahrheit sagt
- Wächter B immer lügt
Er weiß nur nicht, welcher der Wächter lügt bzw. die Wahrheit sagt.
Um zu entkommen, darf der Gefangene eine einzige Frage an einen der beiden Wächter stellen. Das Ziel ist es, herauszufinden, welche der Türen offen ist.
Die Lösung
Wir haben es hier mit einer Gleichung mit zwei Unbekannten zu tun – Wärter und Türen. Die Lösung liegt dort, wo Inhalts- und Beziehungsaspekt der menschlichen Kommunikation berücksichtigt werden.
Sie sieht so aus.
Der Gefangene zeigt auf eine Tür und fragt eine der beiden Wachen: Wenn ich die andere Wache fragen würde, ob diese Tür offen ist, was würde sie sagen? Lautet die Antwort NEIN, dann ist die Tür offen, lautet die Antwort JA, dann ist die Tür verschlossen.
Die Perlenkette: Ein zweites Sprachspiel
Ein weiteres Denkspiel, das etwas lebensnäher ist.
Frau A deutet auf die Halskette von Frau B und fragt: Sind das echte Perlen?
Sie will damit erstens Informationen über das Objekt gewinnen – die Sache.
Sie sagt damit zweitens auch etwas über die Beziehung (und sich selbst) aus – z.B., dass sie neidisch ist auf Frau A. Diese Interaktion hat nichts, aber auch gar nichts mit der Echtheit der Perlen zu tun.
Und wie der Wärter kann Frau B auf zwei Ebenen antworten, z.B.: An mir ist alles echt.
Damit bestätigt sie nicht nur die Echtheit der Perlen, sondern antwortet auch auf die mögliche Falschheit von Frau A, die ihren Neid hinter einer scheinbaren Sachfrage verbirgt.
Fazit
Mir fällt auf, wie oft nur eine Seite der Kommunikation betont wird. Häufig ist es die sachliche Seite. Und das Sprachspiel von Paul Watzlawick über die Macht der richtigen Frage finde ich ein ganz hervorragendes Beispiel, um sich immer wieder daran zu erinnern, dass das nicht ausreicht.
Wer beide Seiten hört und auf beide Seiten reagiert, der ist eindeutig kommunikativ im Vorteil. In diesem Sprachspiel ist die Logik: Wer die Türen versteht, hat eine 50-Prozent-Chance zu entkommen. Wer die Personen versteht und die Türen, der hat eine 100-Prozent-Chance.